
Schmoltke & Ich
Mit glasigen Augen starren die meisten von uns in den täglichen Büro-Wahnsinn. Stumpf passt sich unsere Vernunft den kleinen Unmöglichkeiten an, die man eigentlich gar nicht verstehen kann. Wo vernünftigerweise das Kreischen einer gut geölten Motorsäge hingehört, versuchen unsere Gedanken verzweifelt den zarten Klang einer Harfe erklingen zu lassen. Wie ginge es auch anders? Irgendwie muss man den Trott doch ertragen – oder nicht?
Raymund Krauleidis zeigt eine andere Lösung; er greift konsequent zur E-Gitarre im Overdrive-Modus. Jedes Kapitel seines neuen Buches „Schmoltke & Ich“ ist wie der geniale Riff eines lauten Metal-Songs, den man sich schon lange gewünscht hat zu hören. Auf immer wieder neue Weisen beschreibt er die Grabenkämpfe seines Protagonisten - in unserer großen Schlacht, die wir völlig euphemistisch Büroalltag nennen. Die verdienten Siege über den „Lieblingskollegen“ Schmoltke und die nicht minder verdienten Rückschläge bieten dem Leser eine wunderbare Weise mit seinen eigenen Problemen zurechtzukommen.
Der einsame Farblaserdrucker auf dem fernen Flur, seltsame willkürliche Budget-Maßnahmen von inkompetenten Vorgesetzten, end- und sinnlose Sitzungen mit dazu passenden Protokollen, immer neue Projekte mit dem Ziel an die Wand zu fahren und eine Bürokratie, die nur dafür gedacht sein kann mit der Herrschaft über die Verwaltung die Verwaltung zu zerstören, hat jeder arme Büroknecht schon mal zu tun gehabt. Die unkonventionelle Herangehensweise unseres Bürohelden, der eigentlich nur eins will – nämlich in Ruhe gelassen zu werden und zu tischkickern – befreit ungemein von den eigenen Sorgenpäckchen, die wir mit uns herum tragen.
Das Buch liest sich flüssig und rund – es gibt keine langweiligen Längen oder sonstige Gefahren für ein “Bored-Out-Syndrom”. Krauleidis Buch ist aber schon wegen den wundervollen E-Mails lesenswert, die direkt aus der Wirklichkeit zu stammen scheinen. Jeder der schon mal von einem „E-Mail-Bumerang“ getroffen wurde, wird befreit auflachen können. Auch die mehrfache Erwähnung der wahrscheinlich erstaunlichsten Stadt des Universums (Bielefeld) erfreut den Leser natürlich.
Fazit: sehr lesenswertes Buch, und es erspart sicher so manchem Büroarbeiter den Gang zum Psychologen; nach dem Lesen erklingt die Harfe nämlich wieder häufiger…
Unbedingt die Website besuchen: www.schmoltke.de!
